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Artikel mit Tag ‘Briefe in die chinesische Vergangenheit’

Problembär CSU: Es bebt in Bayern

2008-09-29 von Cordula in What's hot, what's not

“Dramatischer Niedergang”, “Erdrutsch”, “Erdbeben”, “Desaster”, “Debakel”, “Katastrophe” – wer gestern Abend die Nachrichten gesehen hat hätte meinen können, das Ende der der Welt sei nahe. Dabei ging es nur um den (zugegebenermaßen ungewöhnlichen) Ausgang der Landtagswahlen in Bayern. 43% – was für andere Parteien ein Traumergebnis wäre, ist für die CSU der Weltuntergang. Die glorreichen Jahre, in denen die Schwesterpartei der CDU sich ihrer absoluten Mehrheit im Land der Lederhosen und Bierhumpen sicher sein konnte, sind vorbei. Alles fragt sich nun hektisch: Wie um alles in der Welt konnte das bloß passieren?

Hmm, ich hätte da schon so eine Idee. Nur mal rein hypothetisch: Stell dir vor, du hättest einen Ministerpräsidenten (Anm. d. Red: Edmund Stoiber), der keinen vollständigen Satz herausbringen kann, ohne in verbale Fettnäpfchen zu treten und Blumen umzubringen. Stell dir weiter vor, eben dieser Ministerpräsident würde in einer unschönen Schmutzkampagne aus dem Amt katapultiert, von einem Landwirtschaftsminister (zweite Anm. d. Red: Horst Seehofer), der seiner Freundin erklärt, er ziehe nun doch seine Frau und die drei Kinder ihr und dem gemeinsamen unehelichen Kind vor. Stell dir nun vor, ein Dritter (auch wieder Anm. d. Red: Erwin Huber) würde diese Schlammschlacht nutzen, um sich selbst in den Sessel des Parteivorsitzenden zu hieven.

Fein, so macht man also heute Politik? Klar, da würde ich auch CSU wählen. Da fühlt man sich als Bürger doch so richtig gut aufgehoben. Kao-tai aus Rosendorfers „Briefen in die chinesische Vergangenheit“ hätte sicher seine helle Freude an dieser “großen Umwendung” in „Bayan“ gehabt.

Aber Leute, beruhigt euch. Es hätte viel schlimmer kommen können. So wie in Österreich zum Beispiel, wo FPÖ und BZÖ (in der Presse diplomatisch „Rechtsparteien“ genannt) satte 30% der Stimmen abgeräumt haben. Das muss man sich mal vorstellen: Im 21. Jahrhundert gibt knapp ein Drittel eines Landes seine Stimme rechtsradikalen, ausländerfeindlichen Volksverhetzern. EIN DRITTEL. Wo bleibt der Aufschrei in der Presse, bitte? Hallo, Österreich? Seid ihr noch dran?



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